Hundeverhalten

Allerlei über das Verhalten unserer Hunde

 

"Denn biologische Grundlage für jede Hundeforschung muss der Wolf (Canis Lupus) sein.
Nur bei Kenntnis wölfischen Verhaltens ist eine Zuordnung hundlicher Verhaltensweisen nach ihrer biologischen Bedeutung möglich, können Aussagen darüber gemacht werden, wie welche Verhaltensweisen bei welcher Rasse qualitativ und quantitativ im Zuge der Domestikation sowie der selektiven Zuchtwahl verändert wurden. Der Wolf ist sozusagen die "biologische Messlatte", das Referenzsystem für die Zuordnung und Beurteilung hundlichen Verhaltens".

Dr. Dorit Feddersen-Petersen in Breeder Special Ausgabe 3/2005 S. 38/39

            
Quellen: Verschiedenste Literatur (von Zeitungen über Bücher bis hin zu Zeitschriften etc. siehe auch Literaturnachweis), Erfahrungen erfahrener Hundeleute, Querbeet durch das Internet, Seminare und Vorträge etc. pp. Diese Informationen dienen nur zum besseren Verständnis unserer Hunde. Ich habe nur solche Infor-
mationen genutzt, die meiner Meinung nach, allgemein Sinn machen. Aber darüber lässt sich ja trefflich streiten :-)
Sollte ich irgendwelche Copyrights übersehen oder unwissentlich verletzt haben, bitte ich um Mitteilung.

 Duftsignale bei Hunden

Markierungen sind wie eine hinterlegte Visitenkarte

Wölfe haben es schon immer getan und Hunde haben es bis in die heutige Zeit übernommen: das Markieren ihres Territoriums. Wenngleich es beim Wolf ums Überleben ging, ob seine markierten Grenzen von Feinden eingehalten wurden, will ein Hund auch ganz gern der Chef in seinem Umfeld sein. Hier fühlt er sich stark und verteilt an exponierten Stellen seine Duftmarken. Besonders nicht kastrierte Rüden heben ständig das Bein, um ein wenig Urin abzugeben. Aber nur nicht zu viel, denn ein wenig sollte immer in Reserve sein – wer weiß, vielleicht findet sich ja noch eine unbefleckte Stelle. Die gibt es natürlich in besonderem Maße auf Spaziergängen. Hierbei wird so viel Zeit wie möglich mit Schnüffeln verbracht. Und zwar sowohl gegenseitig als auch an jeder Stelle, die zuvor von einem anderen Hund markiert wurde.

Womit wird markiert?

Markierungen werden hauptsächlich in Form von Kot und Urin abgegeben. Diese platzieren Hunde möglichst auffällig: Kot wird ein klein wenig erhöht abgesetzt, Urin beim Männchen in Kopfhöhe verteilt. Wie eine Art Luftpost dringen ständig Nachrichten in der Hundenase ein: "Läufiges Weibchen – Nachbarhund - hab ich schon mal drei Bäume vorher gerochen ...".

Zeitung lesen und Schlagzeilen schreiben

Nicht alle Hunde haben auf Spaziergängen die Absicht, ihr Revier zu kennzeichnen. Einige wollen einfach nur eine Botschaft hinterlassen und riechen, wer so da war. Für sie ist das beinahe wie Zeitung lesen. Manche wollen allerdings neue Schlagzeilen schreiben: Selbstbewusste und dominante Hunde verteilen ihre Witterung nach dem Markieren häufig durch ausgeprägtes Scharren. Damit ist im Umkreis von einigen Metern das Territorium gekennzeichnet. ´

Im Haus markieren

Das ist im Park nicht weiter schlimm, im Garten bereits nicht gerade gern gesehen, im Haus dagegen eine Katastrophe. Im Alter von sechs bis zwölf Monaten wird ein männlicher Welpe lernen, das Bein zu heben. Was liegt näher, als der Versuch, durch das Markieren von Vorhängen, Tischbeinen und Fernsehsesseln das schöne Wohnzimmer als sein Territorium zu kennzeichnen. In einem solchen Fall hilft nur eine Klarstellung der Rangverhältnisse. Seine untergeordnete Stellung sollte es ihm im Haus nicht erlauben, ein Revier (derart) inne zu haben. Im Zweifelsfall hilft nur eine Kastration. Aber wahrscheinlich versteht der Welpe bald, dass Zeitung lesen - und Schlagzeilen schreiben – für ihn nicht wie bei Herrchen im Wohnzimmer sondern im Garten oder auf Spaziergängen stattfindet. Die soziale Beißhemmung beim Hund

Angeboren oder erlernt?

Die Existenz einer Beißhemmung beim Hund ist unstrittig. Sie vermindert Verletzungsrisiken innerhalb eines Rudels und sichert in einem gewissen Maße die Gesundheit der einzelnen Sozialpartner. So bleibt die Jagdtauglichkeit der Gruppe erhalten, was dem einzelnen Hund und letztlich der Gemeinschaft zu Gute kommt.

Rudelfremde Tiere

Diese Beißhemmung schließt allerdings keine rudelfremden Tiere ein. In einer territorialen Verteidigungsaggression wird oft ungehemmt und ohne Rücksicht auf Angriffs- bzw. Unterordnungsgesten des Gegners gebissen. Gerade dieser Fakt verstärkt den Eindruck einer einzig funktionell-orientierten Beißhemmung. Rudelfremde Tiere, die dem eigenen Überleben anders als Sozialpartner durch die gemeinsame Jagd keinen Vorteil verschaffen, werden trotz eventueller, wenn auch seltener, Unterwerfungsgesten kaum geschont.

Wie aber kommt diese gehemmte Aggression zustande?

Verhaltensforscher Konrad Lorenz stellte die Theorie der angeborenen Beißhemmung auf. Nach Lorenz wird eine Blockierung der für Angriffs- bzw. Tötungsbiss verantwortlichen Hormonausschüttungen durch einen bestimmten Reiz ausgelöst. In diesem Fall handelt es sich um die Unterwerfung oder den Schmerzensschrei des Gegners. Er verglich die Beißhemmung mit einer sogenannten Erbkoordination. Dabei löst ein Reiz ein Verhalten aus, welches ab diesem Zeitpunkt zwanghaft abläuft.

Annahme wurde widerlegt

Seine Theorie fußte zum Teil auf der Annahme, dass Präsentieren der Kehle eines Hundes lasse auf Unterwerfung schließen. Diese Vermutung entpuppte sich mittlerweile als ebenso falsch, wie die Theorie der angeborenen sozialen Beißhemmung. Einen Teil der mittlerweile über die Beißhemmung bekannt gewordenen Fakten stammen aus Beobachtungsreihen des Wolfsforschers Erik Zimen, der Welpen unter verschiedenen Umwelt- und sozialen Einflüssen beobachtete.
Erlerntes Selbstschutzverhalten

Inzwischen wird die soziale Beißhemmung als eine Art erlerntes Selbstschutzverhalten definiert. Hunde folgen nicht wie wir Menschen Moralgesetzen. Eine Unfallverhütung aus "Rücksichtnahme" ist daher auszuschließen. Schon Welpen untereinander lehren einander die soziale Beißhemmung. Wird ein Spiel zu wild und wird von einem Partner zu schmerzhaft zugebissen, folgt nach einem oft recht lauten Schmerzensschrei meist eine heftigere Attacke des Spielpartners. Diese muss bei relativ gleichem Schmerzempfinden der beiden Spielpartner dementsprechende Schmerzen bei dem erstmals heftig zubeißenden Welpen auslösen. Der Prozess der "Gegenattacke" spielt sich unter Wurfgeschwistern meist vor der 4.Woche ab, so dass nach dieser Zeit in erläuterten Situationen meist nur noch ein Abbruch des Spiels zu beobachten ist. Eine weitaus größere Rolle spielt hierbei jedoch die relativ kurze Zeit, welche die Welpen mit dem (Vater-) Rüden verbringen. Dieser sorgt nicht unwesentlich für eine Achtung und Vorsicht bei den Welpen im Umgang mit ihren recht spitzen Zähnchen.

Erfahrene Assoziationen

Der von Lorenz genannte Auslöser, wie z.B. ein Schmerzensschrei weckt in Wirklichkeit bei den Welpen kein zwanghaftes Verhalten, sondern erfahrene Assoziationen. Um Selbstschädigung vorzubeugen tritt so die sogenannte "Beißhemmung" ein. Doch diese bei Welpen so große Bedeutung zugemessene Hemmung ist nichts weiter, als eine Vorbereitung auf die spätere soziale Beißhemmung, die das Rudel funktional erhält. Vor allem aber schützt sie die beiden jeweils interagierenden Kommunikationspartner unbewusst. Da Konfrontationen innerhalb eines noch funktionellen Rudels (unsere Haushunde damit ausgeschlossen) meist leichte Unstimmigkeiten in Privilegien, Dominanzverhältnissen etc. sind, tritt eine reine soziale Beißhemmung nur selten in Kraft. Das dominantere Tier lässt es dann meist mit einer Unterwerfung des anderen auf sich beruhen.

Erkenntnisse im Rudel Mensch-Hund umsetzen

Als Welpenbesitzer sollte man trotzdem auf eine dominante Rolle bestehen und souverän bei zu festem Zwicken das Spiel abbrechen. So erlauben wir unserem Hund eine natürliche Erziehung und Vermittlung von funktionellen Inhalten. Wir heben den Dominanzstatus des Menschen hervor und lassen den Welpen als Reaktion auf sein Zwicken eine wenig sozial-aussagekräftige Nische erfahren. Der Hund bekommt auf diese Weise gar nicht erst die Möglichkeit, die provokante Aussagekraft dieses Schnappens zu erfahren und für den eigenen Vorteil einsetzen zu lernen. So vermindern wir spätere "Wadenbeißer" und Hunde, die extrem häufig nach Kindern, wenig dominanten Menschen und Familienmitgliedern schnappen.

Körper- und Lautsprache des Hundes

Einer der größten - überheblichen - menschlichen Irrtümer ist die Behauptung, Tiere könnten nicht sprechen. Wir meinen mit „Sprache" nur Sätze mit menschlichen Lauten. Tatsache ist: Tiere besitzen vielfältige Sprachen. Nur verstehen die meisten Menschen sie nicht, oder selten, oder falsch. Wenn Menschen lächeln und dabei ihre Zähne zeigen, kann das ehrlich sein oder geheuchelt. Wenn Hunde ihre Zähne zeigen, ist das weder geheuchelt noch zum Lachen. Sie drohen. Doch beide können von ihren unterschiedlichen Gesten und Mimiken, ihrer verschiedenen Körper- und Lautsprache lernen.

Selbst die Verkümmerung ursprünglicher Rudelkommunikation von Wölfen zu unseren Haushunden lässt noch erkennen, wie sich Hunde untereinander laut- und körpersprachlich verständigen. In abgelegenen Gehöften ist dies noch erhalten geblieben, wenn sich ein Hofhund meldet, schlagen die anderen in der näheren (hörbaren) Umgebung in die Hunde-Nachrichtenmeldung ein. Der Ring an Anwesenheit erklärt die zwangsweise getrennte Rudel-Unterhaltung. Manche Hunde quatschen auch dabei zu viel. Wegen Unterbeschäftigung in Einzelhaft.

Zuerst sollten wir begreifen, dass der gesunde Hund besser hört als wir. Also ist kein Geschrei nötig. Schreien verrät nicht nur Hunden Unsicherheit und Aggressivität. Die deutsche Sprache ist eine hervorragende Dienstsprache, weil sie zischt und hart klingt. Aber Sitz und Platz, Los und Fass klingen zu ähnlich.

Die englische Sprache unterscheidet für den Hund deutlicher: „Down" für „Platz", „Sit" für „Sitz". Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeiten „niederlegen" und „sitzen" ist für den Hund klar, zumal „down" angenehmer, beruhigender klingt. Um bei der deutschen Sprache mit vielen Zischlauten zu bleiben, sollten wir demnach das „Sitz!" vom „Plaaaatz" deutlicher trennen. Sprechen Sie „Platz" also gedehnter, tiefer aus. Ein „Pass auf!" können Sie dann schärfer, anregender sprechen. Dazu dient das schärfer gesprochene „Passss".

Alle diese Gebots-Hörzeichen können verständlich ohne Geschrei ausgesprochen werden. Wie wollen Sie mal stärker betonen, wenn Sie schon aus vollem Halse schreien? Jedes denkende Lebewesen stumpft ab, wenn Gebote und Verbote immer in der schrillsten Tonart befohlen werden. Wie doch bei uns Menschen auch. Wenn Sie moderat, ruhig sprechen, können Sie schon mal, wenn der Hund versucht, das Hörzeichen zu ignorieren, deutlicher betonen. Um dann wieder mit ruhigem Ton weiterzusprechen. Lernen Sie, die Gebots-Hörzeichen von den Verbots-Hörzeichen auch unterschiedlich zu betonen, und der Hund hört immer häufiger (darauf), weil er ebenfalls das angenehme Gebot vom unangenehmen Verbot unterscheiden kann.

Monoton gesprochene Hörzeichen - ob Verbot oder Gebot - sind nicht zu unterscheiden. Wenn man aus lauter Unsicherheit zwischen die klaren Hörzeichen einen menschlichen Satz einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit. Folge: Der Hund weiss nicht mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich vier, fünf Jahre an Sie gewöhnt hat, dann weiss er, was Sie meinten. Vielleicht. Aber bis zu diesem Verständnis war es ein adrenalinreiches Leben. Ihr Hund folgte vielleicht nur aus blindem Gehorsam, Einfühlungsvermögen, Druck oder Angst.

Mit zunehmender Gewöhnung an Ihre sprachlichen und körperlichen Eigenarten findet der Hund heraus, was sie ihm bedeuten. Er lernt, mit zunehmendem Alter feinere Unterschiede herauszuhören.

Der ganze tierische Sprechunterricht ist natürlich dann für die Katz, wenn andere Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das sein, was für ihn angenehm ist. Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Hass. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt. Auch wenn er nicht auf geschrieenen Befehl nicht folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tut, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal.

Loben muss man können. Wo und wie loben? Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter (und nicht nur angedeuteter) Leistung und beim Lernen in einem engen Zeitraum - und kein Selbstlob! Manche tragen prallgefüllte Leckerle-Tüten mit sich und verteilen rundum und alle Minuten. Das ist nur Eigensucht: „Guckt nur, alle Hunde kommen zu mir!" Die Hunde nehmen es, klar, aber nicht als Lob.

Sie wollen doch auch nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden? Also loben (kraulen, streicheln) Sie ihn dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund.

Das heisst nicht, dass Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgend wann einmal doch herkommt. Ignorieren Sie es und korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Ihnen hilft. Sie müssen ihn überzeugen, dass Sie interessanter sind als der Hund da drüben.

Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob. Richtig: Wenn er - nach Ihren verständlichen Zeichen - was korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, munter ihn zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche Missverständnisse kennen Sie ja: der joviale Schulterschlag unter Menschen kann das Gegenteil von Lob bedeuten.

Ihr Hund wird spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keinen "Anschiss" zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass man ihn überhaupt kennt. 

Der Urahn Wolf braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte Regeln weil er ein sehr soziales Rudeltier ist - ja sein muss - um so gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden.

Diese Ordnung ist biologisch. Wir haben damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund beherrscht - wenn er es von Klein auf lernen durfte - die Regeln der Hundesprache. Im Vergleich zum Wolf sind sie freilich, wegen dem Umgang mit Menschen, geändert. Man kann nicht sagen, reduziert. Sie haben sich nur dem Menschen angepasst, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war. Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das tierliche Verständnis wesentlich leichter, schlussendlich das Miteinander logischer. Das heisst: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können. Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen differieren.

Das spielauffordernde Knurren eines Herdenschutzhundes klingt viel dumpfer und tiefer, für kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings. Der Resonanzboden des Brustkorbs macht die Töne: Bass gegen Flöte. Die bauartbedingten Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Herdenschutzhunde wirken nur schwerfällig. Sie erstaunen dann unwissentliche Beobachter durch vergleichsweise grosse Behendigkeit. Die Spielaufforderung eines extrem niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die eines hochläufigen Hetzhundes. Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 80 Kilo oder/und 80 Zentimeter Schulterhöhe misst. Hunde in ihrer angezüchteten oder naturbelassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäss. Die beiden Extreme Jagdteckel und Irish Wolfhound machen es deutlich. Die Beispiele Schlittenhund oder stehohrige Schäferhunde zeigen viel deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme. Das Kupieren von Ruten und Ohren, ein mimik- und sichtbehinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und muss. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als ein dumm gehaltener. „Ausbildung" ist auch wörtlich zu verstehen.

Es gibt kein eindeutigeres Beispiel zur optischen wie psychischen Beurteilung als ein möglichst wolfsähnlicher Typus. Die Schlittenhunde Husky oder Alaskan Malamute sind ebenso mustergültig wie die stehohrigen Schäferhunde aller Schläge. Selbst schlappohrige Herdenschutzhund, Schäfer- (Hirten-) oder Hofhunde zeigen ein deutliches Gehabe. Auch sie haben alle Signale dran, die Menschen und Hunde zur Beurteilung brauchen. Dabei ist der stockhaarige (mittlere Haarlänge) Hund - eben mit einem wolfsähnlichen Kleid - noch zu bevorzugen, denn nur an ihm vermögen sich Nackenhaare noch zu sträuben. Vergleichen heisst auch hier verstehen beziehungsweise unterscheiden: Ein Sumoringer ist wesentlich bewegungspassiver als ein Fliegengewichts-Karateka, ein Zwei-Meter-Riese steifer als ein Pygmäe, ein drahtiger Extremsportler agiler als ein asthmatischer Stubenhocker. Ein Kleinkind ist unbeholfener als ein gestandenes Mannsbild oder eine umsichtige Mutter. Biologisch, oder?

Hunde sind freilich ungleich frühreifer als Menschen, wie alle unkomplizierten höheren Lebewesen. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch das Einschätzen des Alters. Früher ging man etwas schlicht davon aus, dass ein Hundejahr etwa sieben Menschenjahren entspricht. Zur Zeit kursiert die Relation: erstes Hundejahr gleich 14 Menschenjahre. Stimmt auch nicht mehr. Die Formel ist zu einfach. Das wissen wir heute wesentlich genauer. Aus den genannten physischen und psychischen Arten ergeben sich grosse Unterschiede.

Grosse Hunde sind Langsamentwickler. Kleine sind früher „reif". Ein Kleinterrier zum Beispiel ist, pauschal geurteilt, mit zehn Monaten schon erwachsen, ein riesiger Herdenschutzhund dagegen erst ab zwei Jahren. Dabei dürfen auch die artgemässen Temperamente nicht unterschlagen werden, siehe die Extreme Kleinterrier oder Riesen. Es gibt auch innerhalb dieser Grössenordnungen Unterschiede. Ruten- und ohrenkupierte, gebäudedegenerierte Qualzuchten, hör- oder sehbehinderte Hunde sind unnatürlich in ihrer Kommunikationsvielfalt eingeschränkt. Kommen wir also, zum besseren Verständnis, wieder auf den "normalen" Hund.

Die Körpersprache des Hundes ist immer noch sehr vielschichtig. Am schlechtesten zu erkennen ist sie bei Hunden, deren Signalgeber zurückgebildet wurden, wie zum Beispiel beim Bobtail, der sein Gesicht unter dem überlangen Fell nicht zu erkennen gibt, dessen Rute kupiert ist. Die besten Signalgeber sind Hunde mit deutlichen Körpermerkmalen wie beispielsweise Schäferhunde oder Schlittenhunde. Ihre Stehohren - eben dem Wolf ähnlich - und ein Fell samt Rute, die Veränderungen deutlich erkennen lassen, beweisen, dass die wölfischen Signale ihren Sinn haben. Woran erkennt man am deutlichsten einen dominanten (beherrschenden) Hund - meist Rüden? Am erregten Dominanz-Scharren mit den Hinterläufen nach dem Markieren (Urinieren) seines vermeintlichen Reviers, zusätzlich gesträubten Nackenhaaren. Den ängstlichen an eingeklemmter Rute, unterwerfender Körperhaltung und zurück- gelegten Ohren.

Was meinen Sie: Wie viele grundsätzliche Signale kann ein Hund allein mit seinen Körperteilen aussenden?  Es sind ca. 13 unterscheidbare Körpersignale mit 71 Kriterien. Natürlich sind Kopf, Rute, Ohren, Fang die wichtigsten Zeichen. Aber dazu zählen noch viele Feinheiten (Unterabteilungen), die Sie mit Übung erkennen können. Psychologen nennen das Blickschulung. Daran erkennt man nicht nur psychische, sondern auch gesundheitliche Befindlichkeiten, zu der auch die entsprechende Pflege gehört.

Und die momentane Befindlichkeit. Geht es Ihnen nicht auch so: Vor Parties oder Prüfungen müssen Sie immer auf die Toilette, oder Sie sollten es? Ihr Zustand: besch***en. Oder: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Warum sollte es da einem Hund anders ergehen? Gestresste und gehemmte Lebewesen sehen so aus. verklemmt, bedrückt, alles andere als locker. Die körpersprachlich deutlichsten Kriterien sind Rute, Lefzen, Gebäudehaltung, Ohrenstellung und Blickrichtung. Weitere Differenzierungen sind artgemäße Grundhaltungen der Ruten. Spitze, Schlittenhunde oder die meisten Herdenschutzhunde tragen sie in „Normalstellung" stark nach oben gerollt, Schäferhunde tragen sie gerade bis leicht abwärts fallend, Hetzhunde dagegen oft stärker abwärts. Das Kupieren der Rute ist eine körpersprachliche Behinderung. Die Hunde müssen ersatzweise mit dem ganzen Hinterteil „wedeln"; ein Erkennen der Launen ist für Hunde und Menschen schwieriger. Kurze Haare tun sich naturgemäß schwer beim Sträuben, überlange Lefzen (zum Beispiel bei Doggenartigen) können nicht die Zähne entblößen. Dafür reicht nur die Haut auf dem Nasenrücken, um gekräuselt zu werden. Das Wedeln mit der Rute ist nur ein Zeichen der Erregung. Das heisst nicht, wie allgemein angenommen, dass er dabei grundsätzlich freundlich gestimmt sein muss. Beim Beurteilen muss man also neben allgemeinen Befindlichkeiten diese arttypischen Varianten einbeziehen, um von einer artgemässen Grundhaltung ausgehen zu können. All diese Parameter bilden ein Gesamturteil. Und auch das ist nur ein vorläufiges.

Das Lautäußerungsverhalten beim Hund
Deutliche Unterschiede zwischen Hund und seinem Vorfahren Wolf

Der Hund und das Bellen: Dieses war die Ausgangsbasis für die Tierärztin und Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen, um die Bedeutung des hündischen Lautäußerungsverhaltens genauer zu analysieren.
Hauptfrage ihrer Untersuchung war: Ist das Bellen nur eine "platte" Lautäußerung, die Gemütszustände begleitet oder ist es ein überlegt eingesetztes Kommunikationsmittel?

Der Wolf spricht mit dem Körper

Nach der Auswertung des Gebells, das in verschiedenen Situationen beobachtet wurde, kann man abhängig von der Rasse zwei bis acht feststehende Lautäußerungen des Hundes unterscheiden. In der Gegenüberstellung von Hund und Wolf zeigt sich ein bedeutender Unterschied: Während der Hund den Großteil seiner Regungen durch Laute zum Ausdruck bringt, benutzt der Wolf hierzu hauptsächlich die Körpersprache. Wolfswelpen hingegen stehen der akustischen Aktivität des Haushundes näher. Dies ist dadurch zu erklären, dass der Domestikationsprozess vom Wolf zum Hund eine Infantilisierung (=Verkindlichung) des Tieres mit sich gebracht hat. Der Hund ist also in einem kindlichen Entwicklungsstadium des Wolfes zurückgeblieben.

Körperliche Einschränkungen behindern die Gestik

Neben dem infantilen Verhalten verhindern aber vor allen Dingen die eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten des Hundes wie z.B. Hängeohren oder Gesichtsfalten, dass sich die effektivere Körpersprache im hundlichen Ausdrucksverhalten durchsetzen kann. Das Zusammenleben von Hunden in einer Gruppe wird daher qualitativ nie die Effektivität und dem Zusammenhalt eines Wolfsrudels erreichen können.

Bellende Beschützer bevorzugt

"Wie Hunde kommunizieren, scheint außerdem in besonderer Weise durch das Zusammenleben mit dem Menschen geprägt zu sein“, so Dorit Feddersen-Petersen. In Verbindung mit dem Domestikationsprozess bevorzugte der Mensch vermutlich Hunde mit ausgeprägtem Lautäußerungspotential. Als Beschützer von Haus und Hof etablierte sich der Hund so in der menschlichen Gesellschaft. Jede Hunderasse hat dabei ihr spezifisches Lautäußerungsschema. So differenziert sich beispielsweise das Bellen eines Schäferhundes von dem eines Cocker-Spaniels. Dies kann mit den menschlichen Dialekten verglichen werden.

Der Hund hat sich dem Menschen angepasst

Mit Hilfe des Bellens kann sich der Hund hauptsächlich in sozialen Bereichen wie im Spiel oder bei Aggressionen verständigen. Dem Wolf dagegen ist es durch die Körpersprache möglich, wesentlich präzisere Informationen zu übermitteln. Auch wenn mit der Entwicklung des Hundes hin zum akustisch – orientierten Tier die intersoziale Fähigkeit Einbußen erlitten hat, so hat sich der Hund dennoch den gegebenen Lebensbedingungen beim Menschen angepasst. Neue Verhaltensmuster wurden sogar in das Repertoire aufgenommen, wie z.B. das "Hundelachen", das es nur beim Haushund gibt. Dorit Feddersen-Petersen: "Wir können eindeutig nachweisen, dass "Lachen" beim Hund ein genetisch verankertes Merkmal ist und somit unter anderem durch das Zusammenleben mit dem Menschen entstanden sein muss."
www.zooplus.de
Artikel von Kerstin Krahwinkel
Foto: Animal Attitude

 

Signale


Ein Signal ist das, was Deinen Hund dazu veranlasst, ein ganz bestimmtes Verhalten zu zeigen. Das kann etwas sein, was Du mit ihm geübt hast, "Sitzt", "Platz!" oder "Pfote geben", es kann aber auch ein ganz anderes Verhalten sein. Wenn's klingelt kommt Besuch, der Hund rennt zur Tür. Wenn Du mit einer Tüte raschelst, kommt er angelaufen und bettelt. Erstaunlicherweise werden solche Signale vom Hund meistens sehr schnell gelernt und absolut zuverlässig befolgt, dagegen sind Deine "Kommandos" oft nicht annähernd so wirksam.

Du kannst die Signale danach unterscheiden, mit welchen Sinnen sie Dein Hund verarbeitet. Die Reihenfolge ist nicht zufällig, sondern hierarchisch, d.h. ein optisches Signal nimmt Dein Hund viel besser wahr, als ein akkustisches Signal, (natürlich spielt die Intenstät auch eine Rolle).

1. Geruch - Markierungen anderer Hunde, Fährte eines Hasen, Leberwurst an den Fingern, etc.

Wenn Du Jagdhunde (z.B. Beagles) beobachten kannst, siehst Du wie "nasenorientiert" sich sich durch's Leben bewegen. Bei anderen Rassen fällt das oft weniger auf, aber denoch ist der Geruchssinn der am stärksten ausgeprägteste Sinn Deines Hundes.

2. Berührung - ist für jeden Hund ein sehr starker Reiz, außerhalb des Rudelverbundes bedeutet plötzliche Berührung meistens unmittelbare Bedrohung, ein natürlicher Feind, ein Angriff. Das natürliche Verhalten auf Berührung ist Erstarren, Angreifen oder Flucht.              
Nun ist Dein Hund durch Gewöhnung und Sozialisierung an Berührungen gewöhnt, fordert vielleicht sogar regelmäßig seine Streicheleinheiten ein, trotzdem ist Berührung nicht unbedingt geeignet um ein Verhalten unter Signalkontrolle zu bringen. Fremde Hunde verbeten sich oft jede Art von Berührung eines ihnen fremden Menschen. Das ist, wenn Du obigen Zusammenhang siehst, ihr gutes Recht und kein Zeichen von "Aggressivität". Leider ist gerade dieses "Nichtwissen" Ursache für viele Beißunfälle. Deshalb solltest Du in jedem Fall das Dulden von Berührungen mit Deinem Hund üben (Dein Tierarzt wird es Dir danken). Allerdings ist es auch Dein gutes Recht, andere Leute darauf hinzuweisen, daß sie Deinen Hund nicht einfach anzugrapschen haben.

3. Optische Signale - nimmt Dein Hund mit den Augen wahr, z.B. ein Handzeichen, Deine Körperhaltung und Mimik, Deine Bewegungen, Nachbars Katze vor dem Fenster, u.v.m. Handzeichen sind sehr gut geeignet um eine Verknüpfung mit einem Verhalten herzustellen. Bewegungen nimmt Dein Hund aber wesentlich besser wahr als starre Signale. Optische Signale sind z.B. bei Prüfungen des VDH außdrücklich in der Prüfungsordnung nicht gestattet, Brüllen dagegen ist nicht verboten. Schon etwas merkwürdig, oder?

4. Akkustische Signale - nimmt der Hund mit dem Gehör wahr, z.B. Deine Stimme, fremdes Hundegebell, Motorgeräusch von Herrchens Auto, Kühlschranktür...Oft hört man auf den Hundeplätzen lautes Gebrüll, das ist vollkommen unnötig, Dein Hund hört sehr gut. Und brüllen um einzuschüchtern (siehe auch Verhalten, P+) hast Du nicht nötig. Versuche bei den Hörzeichen Worte zu finden, die kurz sind und wenig Zischlaute beinhalten. Keine langen Sätze, von denen verarbeitet Dein Hund nur wenige Silben, der Rest ist "Geräuschmüll". Ganz gut sind auch fremdsprachige Wörter geeignet, die kommen im täglichen Sprachgebrauch sonst nicht vor und sind dadurch eindeutiger für Deinen Hund.

Kraulen

Eine bekannte Hundetrainerin hat einmal während einer Fernsehaufzeichnung bei ihrem Studio Publikum Lachkrämpfe ausgelöst, als sie erklärte, dass es äußerst wichtig sei, männliche Wesen zwischen den Beinen zu kraulen. Gemeint hatte sie damit natürlich Hunderüden und jene Körperstellen, an denen ihnen die Berührung am besten gefällt. Es gibt in der Tat sieben Möglichkeiten, die freundschaftliche Verbundenheit von Mensch und Hund durch physische

Kontaktaufnahme zu demonstrieren. In jeder einzelnen stecken verborgene Faktoren, die äußerst interessant und aufschlussreich sind. Wenn wir einem Rüden die Brust kraulen, so etwa zwischen dem Hals und den Vorderbeinen, empfindet er das wirklich als sehr angenehm. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn er eine Hündin besteigt und penetriert, reibt sich seine Brust in einem bestimmten Rhythmus am Rücken seiner Gefährtin. Wenn wir ihn mit der Hand an der Brust kraulen, erinnert ihn das automatisch an die entsprechenden angenehmen Empfindungen. Diese Kontaktform ist vor allem dann zu empfehlen, wenn der Rüde ein besonderes Lob verdient hat. Er empfindet auch großes Behagen, wenn man ihn hinter den Ohren krault und krabbelt. Auch dieses Behagen hat seine Wurzeln im Sexualbereich, denn das Ohr des Partners zu belecken, sich gegenseitig zu beschnüffeln und zu beknabbern gehört zum Vorspiel der caniden Werbung. Wenn man einen Hund, der zum Spielen aufgelegt ist, mit der Hand abwehrt, hat das meistens die gegenteilige Wirkung. Er interpretiert diese Geste nämlich als Teil des Spiels, auf das wir uns wie er glaubt eingelassen haben. Er nähert sich erneut seinem menschlichen Spielpartner und wartet darauf, dass dieser ihn wieder mit der Hand fortstößt. Das Spiel geht weiter und führt mitunter zum sogenannten Spielbeißen, bei dem der Hund die Hand seines Partners vorsichtig mit den Zähnen packt oder ihm sogar erlaubt, seine Schnauze festzuhalten. Solange Mensch und Hund in diesem Spiel sanft miteinander umgehen, kann es die Bindung zwischen ihnen vertiefen, genauso, wie es beim Spiel mit den Wurfgeschwistern der Fall ist. Die wohl häufigste Form des physischen Kontaktes zwischen Hund und Mensch ist der leichte Klaps, das Tätscheln. Diese Bewegung hat für uns besondere Bedeutung, denn sie ist ein Teil des menschlichen Begrüßungszeremoniells. Wenn wir einem Hund den Rücken tätscheln, haben wir unbewusst das Gefühl der Verbundenheit, das sich beim Zusammensein mit einem guten Freund einstellt. Der Hund interpretiert diese bevorzugte Behandlung ganz anders. Hunde klopfen sich untereinander nicht auf den Rücken; also was soll dieser Klaps nun eigentlich bedeuten? Es scheint, als ob Hunde diese Form des Körperkontaktes als eine Art Nasenstupser deuten, der zum Repertoire von Welpen während des Säugens zählt oder im Verhalten von unterlegenen Tieren gegenüber stärkeren beobachtet worden ist. Deshalb muss diese Form des Körperkontaktes für Hunde besonders angenehm sein. Sie sehen darin einen Akt der Unterwerfung, aber da sie wissen, dass wir ihnen überlegen sind, bleibt nur die Möglichkeit, das Verhalten als Beschwichtigungsgeste zu interpretieren. Wenn ein dominanter Hund einem rangniedrigeren die Furcht nehmen will, nähert er sich ihm gelegentlich in einer gespielt submissiven Pose.

Und genau dieses Verhaltensmuster sehen sie in unserem Klaps. Hunde mit langem seidigem Fell verführen, wie Katzen, zum Streicheln. Diese Form des Körperkontaktes hat für den Hund allerdings wenig Bedeutungsgehalt; die sanfte Massage erinnert ihn höchstens daran, dass die Mutter ihm als winziges Junges sein Fell mit ihrer großen Zunge liebevoll geleckt hat. Vor allem Kinder suchen eine bestimmte Form des Körperkontaktes mit Hunden: Sie kuscheln mit ihnen. Im allgemeinen nehmen die Vierbeiner diesen Liebesbeweis mit erstaunlicher Bereitwilligkeit hin. Er erinnert sie wohl an die Zeit, als sie sich noch eng zusammendrängten, um die Sicherheit und Nähe der Wurfgeschwister zu spüren, oder als die Mutter den Nachwuchs mit ihrem großen Körper wärmte. Viele Hunde mögen es, wenn man sie am Kopf krault, insbesondere am Kinn. Dies ist eine Art von Kontakt, die der Hund von sich aus sucht. Hunde, die leicht kleine Entzündungen im Bereich der Schnauze oder des Zahnfleisches haben, reiben ihren Kopf gern an den scharfen Kanten eines Möbelstücks. Wenn Herrchen oder Frauchen ihnen diese Arbeit abnimmt, sind sie dafür äußerst dankbar. Was Hunde gar nicht mögen, ist die lästige kosmetische Prozedur, die sie über sich ergehen lassen müssen, bevor sie auf einer Hundeausstellung vorgeführt werden. Stundenlanges Baden und Frisieren kann ein Hund nicht verstehen und ertragen.  
Eine derartig intensive Körperpflege wird im sozialen Verband der Caniden nicht betrieben. Aber da dieser arme Hund nun einmal in einer Menschenfamilie lebt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als das Übel mit der gleichen stoischen Gelassenheit über sich ergehen zu lassen, die er angesichts der Drangsalierungsversuche eines dominanten Hundes zeigt. Die Menschen können sich mehr als glücklich schätzen, so kooperative und anpassungsfähige vierbeinige Partner gefunden zu haben.

 

 Unterwerfung

Diese Frage ist schnell beantwortet: wie ein Welpe. Die schwächeren Exemplare vieler Tierarten
nehmen eine unterwürfige Pose ein oder greifen zu infantilen Verhaltensmustern, wenn sie von einem
dominanten Tier bedroht werden. Fehlt ihnen der Mut, auf die Drohung mit einer Gegendrohung zu
reagieren oder eine aggressive Auseinandersetzung zu riskieren, nehmen sie Zuflucht zu einem
Ausdrucksverhalten, das mit dem eines Menschen, der die weiße Fahne schwenkt, zu vergleichen ist.
Die bedrohten Tiere bemühen sich, die Aggressionen des Angreifers abzubauen, wobei ihnen, je nach
Spezies, verschiedene Möglichkeiten offen stehen. Sie nehmen beispielsweise eine Position ein, die in
erkennbarem Gegensatz zur Drohhaltung steht. Senkt z. B. der Angreifer den Kopf, bereit, im nächsten
Augenblick zuzustoßen, hebt der Unterlegene den seinen; wenn der Drohende seinen Kopf hoch aufrichtet, um größer zu erscheinen, senkt der Bedrohte den Kopf. Ist das Fell des Angreifers gesträubt, legt der Angegriffene das Haarkleid flach an den Körper; wenn der aggressive Gegner hoch aufgerichtet steht, kriecht der submissive, usw. Aber das ist nur eine der beiden grundlegenden Strategien, über die Tierarten verfügen um damit eine Beschwichtigung des Gegners zu erreichen. Die zweite Möglichkeit besteht darin, im Angreifer eine Stimmungslage auszulösen, die im Widerspruch zu seiner Aggressivität steht und sie somit abbaut. Erwachsene Tiere zeigen normalerweise Hemmungen, den Nachwuchs ihrer eigenen Spezies anzugreifen, so dass es einem unterlegenen, erwachsenen Hund gelingen kann, einfach dadurch den aggressionshemmenden Mechanismus auszulösen, dass er sich welpenhaft verhält. Hunde verfügen über zwei Tricks, die ihnen helfen, die soziale Distanz zu verringern: die passive und die aktive Unterwerfung. Bei der passiven Unterwerfung bleibt dem schwächeren Tier keine andere Wahl, denn der Angreifer nähert sich mit allen Anzeichen des Drohverhaltens. Das unter- geordnete Tier kriecht dann auf dem Boden, um möglichst klein zu wirken. Bringt diese Taktik nicht den gewünschten Erfolg, rollt es sich demonstrativ auf den Rücken und lässt die Pfoten schlaff in der Luft hängen, wobei es gelegentlich auch uriniert. Damit wird das Verhalten der Welpen imitiert, die passiv auf dem Rücken verharren, wenn sich die Mutter nähert und den Genitalbereich leckt, um sie zum Urinieren anzuregen. ( In den ersten Lebenstagen urinieren die Welpen nicht von sich aus. Sie werden von der Mutter mit der Nase auf den Rücken gerollt und erst durch diese Bauchmassage zum Urinieren stimuliert. ) Die Nachahmung dieser infantilen Pose von erwachsenen Tieren hat wohl den stärksten Signalcharakter in der Körpersprache der Caniden und in der Regel den gewünschten Erfolg, d. h., sie dämpft die Aggressionslust des Angreifers. Die aktive Unterwerfung verlangt eine andere Taktik. Wenn sich in diesem Fall ein schwächeres Tier einem überlegenen nähert, dann keinesfalls auf dem Bauch. Es muss zu einer anderen Beschwichtigungsgeste greifen, um seine friedlichen Absichten zu demonstrieren. Auch diese leitet sich aus dem Verhaltensrepertoire der Hundewelpen ab: Wenn die Welpen einen Monat alt sind, beginnen sie die erwachsenen Tiere um Futter anzubetteln, indem sie mit ihren Schnauzen so lange die des älteren Tieres berühren, bis dieses kleine Nahrungsbrocken auswürgt. Die aktive Unterwerfung richtet sich nach diesem Schema. Das einzige Problem ist, dass das unterlegene Tier ungefähr dieselbe Größe hat wie das überlegene. Würde es sich dem Leithund zuwenden und ihm einfach das Gesicht lecken, könnte diese Geste als Anmaßung aufgefasst werden. Also nähert es sich ihm in geduckter Haltung, um Welpengröße vorzutäuschen. In dieser Stellung kann es den Kopf heben, um die Schnauze des dominanten Tieres zu erreichen und somit die unerlässliche infantile Haltung zeigen. Ein rangniederer ausgewachsener Hund, der das Welpenverhalten beim Futterbetteln imitiert, kann sich jedem Mitglied seiner caniden Gruppe gefahrlos nähern. Diese Pose gewährleistet den engen sozialen Kontakt, ohne ständig Streitereien herauszufordern.

Individualdistanz   

Unter Individualdistanz versteht man die Entfernung bzw. Nähe die ein Hund duldet ohne darauf mit Aggression zu reagieren. Diese Individualdistanz ist, wie der Name schon sagt, vom einzelnem Individuum, seinem Charakter abhängig. Dass heißt, diese Verhaltensweise ist von Tier zu Tier verschieden. Diese Distanz  ist notwendig um das Rudelgefüge aufrecht zu erhalten. Hierbei ist nicht nur die körperliche Nähe Ausschlag gebend sondern auch der Sichtkontakt. Mit Hilfe des Fixierens kann bereits die Individualdistanz aufrecht erhalten oder gestört werden. Im Zirkus wird durch die Bewegung des Dompteurs und seines Stockes meist mit dieser Individualdistanz gearbeitet.

Einfach ausgedrückt kann man sich vorstellen, dass um jeden Hund zwei verschieden große gedachte Kreise gezogen sind, die jeweils eine Grenze darstellen. Wird von einem anderem Sozialpartner, also auch uns, die äußere Grenze überschritten, reagiert der Hund meist mit Meideverhalten, d.h. er zieht sich weiter zurück. Da sich die Kreise mit dem Hund bewegen, kann er jetzt noch mit Flucht reagieren. Ist ihm aber die Fluchtmöglichkeit versperrt, muß er ab einem bestimmten Punkt mit Aggression reagieren. Beachten wir die Reaktionen des Hundes nicht und überschreiten den zweiten engeren Kreis ebenfalls, welcher meist in sehr enger körperlicher Nähe des Hundes ist, kommt es zwangsläufig zum Angriff des Hundes, wobei sein Körper sämtliche Symptome von Angst zeigt. Das oben gesagte trifft natürlich in erster Linie auf unbekannte, "ungeliebte" oder fremde sich nähernde Individuen zu. Dies kann uns mit jeder Maus passieren, die in der Ecke sitzt und die wir einfangen wollen. Hört sich sehr theoretisch an, ist aber bei jedem Spaziergang mit dem angeleintem Hund zu beobachten. 
Dem angeleintem Hund ist die Fluchtmöglichkeit versperrt. Beim Überschreiten des äußeren Kreises durch einen anderen Hund kommt es zur ersten Reaktion, dem Bellen als Abwehr damit der andere nicht noch näher kommt. Kommt dieser doch näher, kommt es nach kurzzeitiger Unsicherheit des angeleinten Hundes meist doch zur Aggression aus Angst oder Sicherheit weil der andere Hund die Individualdistanz des angeleinten nicht beachtet hat.

Abschließend sei noch gesagt, dass Angst, insbesondere durch ständige soziale Konflikte begründete Angst, oft zu Neurosen (psychische Schäden) und/oder organischen Krankheiten (physische Schäden) führen kann. (Übrigens auch beim Menschen z.B. Magengeschwür).

Schwanzwedeln

Oft hört man sowohl von Laien als auch von Experten, dass Hunde, die mit dem  Schwanz wedeln, uns freundlich gestimmt seien. Diese Schlussfolgerung ist  genauso falsch wie die Annahme, dass eine Katze, deren Schwanz hin und  herpendelt, wütend sei. Was allerdings sowohl dem Schwanzwedeln der Hunde  als auch der Katzen zugrunde liegt, ist ein emotionaler Konflikt, der in der Tierwelt  generell durch Hin und Herbewegungen angezeigt wird. Wenn sich ein Tier in  einer Konfliktsituation befindet, fühlt es sich hin und her gerissen. Es möchte  gleichzeitig angreifen und sich zurückziehen oder sowohl nach rechts wie nach  links ausweichen. Da das eine Bedürfnis das andere ausklammert, verharrt das  Tier zunächst in gespannter Abwartehaltung. Der Körper oder bestimmte  Körperteile werden, dem einen Drang gehorchend, in die eine Richtung  vorgestreckt, dann nach einem Moment reglosen Verharrens im nächsten  Augenblick durch eine ruckhafte Bewegung in die Gegenrichtung. Das hat zu  einer breiten Skala stark ritualisierter Körpersignale innerhalb der verschiedenen  Spezies geführt. Manche Tierarten verdrehen den Nacken, andere machen sprunghafte Stoßbewegungen mit dem Kopf, wenn sie sich in einem Konflikt  befinden; weitere Anzeichen für eine Konfliktsituation sind Einknicken der Beine,  Scharren mit den Pfoten, Drehen der Schulterpartie, geduckte Körperhaltung,  starres Fixieren des Gegners, steiles Aufrichten des Schwanzes oder  Schwanzwedeln, das man bei Katzen und Hunden gleichermaßen kennt. Was geht  nun wirklich im Kopf unseres schwanzwedelnden Vierbeiners vor? Im  wesentlichen sieht sich das Tier zwischen zwei einander widerstrebenden  Bedürfnissen hin und her gerissen. Der Impuls, zu fliehen, hat eine leicht zu  erkennende Ursache: Angst. Der Drang, zu bleiben, ist komplexer, zumal es sich  hierbei nicht um ein einzelnes, sondern um mehrere unterschiedliche Bedürfnisse  handelt. Der Hund möchte vielleicht an Ort und Stelle bleiben, weil er hungrig,  aggressiv, kontaktfreudig oder was auch sonst immer ist. Es ist nicht möglich,  dem nur eine einzige Bedeutung zuzuordnen. Es ist ein optisches Signal, das nicht  isoliert betrachtet werden darf, sondern nur im Zusammenhang mit anderen,  gleichzeitig erkennbaren Äußerungen des Hundes richtig gedeutet werden kann.  
Bei unterwürfigeren Tieren hängt die Rute meist leicht gebogen herunter.  
Bei aggressiveren ist sie in der Regel steif und nach oben gerichtet. Je  demutsvoller und unter- würfiger ein Tier ist, um so tiefer senkt es den Schwanz.  Der selbstbewusste Hund wedelt mit hochaufgerichteter Rute. Wenn all diese  Elemente der Körpersprache bei Hund ( oder Wolf ) in ihrem jeweiligen sozialen  Kontext so leicht zu erkennen sind, warum ist das Schwanzwedeln dann so oft als  freundliche Geste missdeutet worden? Die Antwort ist, dass wir mit Begrüßung  zwischen Mensch und Tier viel vertrauter sind als mit den  Begrüßungszeremonien, die Hunde untereinander pflegen. Ein Rudel Hunde  bleibt den größten Teil der Zeit zusammen, während der menschliche Partner Tag für Tag aufs neue kommt und geht. Wir sehen nur, wie der Hund sein Herrchen  oder Frauchen immer wieder freudig begrüßt. Freude und Aufregung sind die  überwiegenden Stimmungselemente bei der Rückkehr des menschlichen  Rudelführers, gepaart allerdings mit einer vagen Spannung, die aus- reicht, einen  Konflikt und somit das Schwanzwedeln auszulösen. Für viele ist der Gedanke,  unser Hund könnte noch etwas anderes als Liebe für uns empfinden, vielleicht  unerfreulich. Dass er sich vor uns fürchten könnte, wollen wir nicht wahrhaben.  
Aber denken Sie nur einmal an die unterschiedliche Körpergröße. Der Mensch  muss dem Hund wie ein Riese vorkommen, und das allein ist für den Vierbeiner schon beunruhigend genug. Dazu kommt, dass Hunde uns in so vieler Hinsicht  unterlegen, ja, von uns abhängig sind, um zu überleben, da sollte es uns eigentlich nicht erstaunen, dass sie uns gegenüber gemischte Gefühle hegen.  Schwanzwedeln soll außerdem nicht nur ein optisches Signal sein, sondern auch  ein olfaktorisches also der geruchlichen Kommunikation dienen. Das ist für uns  Menschen wiederum schwer verständlich, es sei denn, wir bemühen uns, die Welt  einmal aus der Perspektive des Hundes zu betrachten. Hunde haben einen  Eigengeruch, der vorwiegend von Drüsen aus der Analregion abgesondert wird.  
Durch das rhythmische Schwanzwedeln werden diese Duftdrüsen stimuliert. Ist  die Rute hoch aufgerichtet, wie bei selbstsicheren Hunden, wird die Produktion  ganz erheblich erhöht. Obwohl der Geruchssinn des Menschen nicht ausgeprägt  genug ist, um diese persönlichen Duftnoten zu unterscheiden, haben sie für die  Tiere selbst große Bedeutung. Dieses zusätzliche Erkennungs- merkmal hat mit  Sicherheit dazu geführt, dass das Schwanzwedeln, Signal eines inneren Konfliktes,  im Sozialleben der Caniden eine so ungeheuer große Rolle spielt.

Immer der Nase nach

Hunde sind dem Menschen im Hinblick auf den Geruchssinn weit überlegen

Haben Sie schon einmal die Nase eines Hundes berührt? Sie ist kalt und feucht. Das ist wichtig, da mit Hilfe der Feuchtigkeit Moleküle aus der Luft herausgelöst und mit der Riechmembran (Riechschleimhaut) im Inneren der Nase in Verbindung gebracht werden. Von dort werden die gewonnenen Informationen mittels Nervenimpulsen weiter zum Riechzentrum im Gehirn transportiert, wo die Geruchserkennung stattfindet. Im Vergleich zu dem des Menschen ist das Riechzentrum eines Hundes etwa vierzig mal größer. Das heißt, dem Hund steht ein bedeutend größerer Teil des Gehirns für die Geruchserkennung zur Verfügung als dem Menschen.

Millionen von Sensorzellen

Sowohl die Nase wie auch die Riechschleimhaut des Hundes sind dunkel pigmentiert. In Abhängigkeit von der Rasse haben sich Hundenasen in unterschiedlichsten Größen und Formen entwickelt. Die Riechmembrane enthalten dementsprechend unterschiedlich viele Sensorzellen. So besitzt ein Dackel um die 125 Millionen Sensorzellen, während ein Deutscher Schäferhund auf bis zu 220 Millionen kommt. Beim Menschen sind es dagegen nur etwa fünf Millionen.

Gerüche schmecken

Anders als Menschen besitzen Hunde im oberen Maulbereich ein Organ, mit dem sie Gerüche auch schmecken können. Das sogenannte Vomeronasalorgan wird vorwiegend für Düfte benutzt, die mit dem Sozial- und Sexualleben zu tun haben. Es transportiert die von ihm aufgenommenen Informationen direkt an das limbische System, den Teil des Gehirns, der für die emotionalen Reaktionen eines Hundes zuständig ist. Manchmal können Sie Ihren Vierbeiner dabei beobachten, wenn er dieses Organ benützt, z.B. wenn ein Duft ihn besonders erregt. Er klappert dann leicht mit den Zähnen, macht Geräusche und oft läuft ihm eine Speichelspur aus dem Maul, während er den Geruch gleichzeitig riecht und schmeckt.

Aromatisches für Hunde

Wie beim Menschen können Sie auch Hunde in ihrem Verhalten und Befinden mit Düften beeinflussen. Wenn Sie also Ihrem Liebling etwas Gutes tun wollen, können Sie das mittels eines für ihn angenehmen Duftes tun. Wichtig ist, dass er sich seinen Lieblingsgeruch selbst aussuchen kann. Wählen Sie möglichst Düfte, die bei uns in der Natur vorkommen, wie Fichten- oder Tannennadel, Lavendel oder Veilchen. Geben Sie wenige (!) Tropfen eines entsprechenden Duftöls aus der Apotheke auf ein Aromakissen und platzieren Sie dieses in einer Ecke der Wohnung. Ein anderes versehen Sie mit einem anderen Duft. Das Verhalten Ihres Hundes zeigt Ihnen, ob er den Geruch mag oder nicht. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn sein bevorzugter Duft nicht dem Ihren entspricht. Schließlich haben Hunde so manche Vorlieben, die uns Menschen geradezu stinken.   Quelle http://www.zooplus.de

Nachfolgend ein sehr interessanter Artikel aus "Unser Rassehund" Mai/Juni 2001 von Carl Cosack, der sich mit der Ausbildung und Erziehung von Molossern befasst, aber der für alle Hunde zutrifft.

Über die Erziehung von Molossern.

Schon die Überschrift suggeriert einen Unterschied zwischen Molossern und anderen Hunden. Das ist nicht richtig. Ein Hund ist in erster Linie ein Hund. In der kynologischen Literatur und vor allem in den Köpfen spuken die unrealistischen Vorstellungen herum. Dackel könne man nicht erziehen. Ein Jagdterrier sei nur etwas für Jäger und die Jagd, ein Hund mit großem Jagdinstinkt ist nicht kontrollierbar und eben auch Molosser könnten halt nicht wie andere Hunde gehorchen und sich dem alltäglichen Leben anpassen. Das ist mit Verlaub gesagt alles Blödsinn. Ein Jagdhund beispielsweise muss gerade auch auf der Jagd lenkbar sein. Sicher hat dieser Hund ausgeprägte Jagdinstinkte und dennoch agiert er ganz wesentlich in Interaktion mit seinem Führer. Gerade das gemeinsame Handeln bringt Hund und Jäger den Erfolg.

Niemand käme auf die Idee, den mangelnden Gehorsam eines Golden Retrievers mit dessen Rassezugehörigkeit zu erklären. Warum dann etwa bei einem Bullmastiff?! Aus meinem persönlichen Umfeld und von unserem Hundeplatz sind mir die tollsten Geschichten aller möglichen Rassen bekannt. Da ist das Pärchen mit seinem Königspudel, der sich regelmäßig auf Spaziergängen verabschiedet und natürlich „immer wiederkommt“. Manchmal halt erst nach zwei Stunden. Woran liegt das wohl?! - Gleiches Verhalten bei einem Fila Brasileiro mit dessen Jagdleidenschaft zu entschuldigen, entbehrt des Verständnis der Psyche seines Hundes.

Der kleine Mischlingshund hört ganz prima, zu hause ist er immer so lieb und auf dem Hundeplatz läuft er exakt seine Wendungen. Er hetzt nur Enten und Schwäne und jagt überhaupt sehr gerne, aber sonst ist er ganz toll erzogen.

Da reißen zwei Bouviers sieben Schafe, vollkommen außer Kontrolle geraten, wo doch der Bouvier eher ein Hüte- als Jagdhund ist. Und nach Aussagen einer Züchterin der Inbegriff des „Gute-Laune-Hundes“ nicht der Schafkiller.

Die Reihe an Beispielen ließ sich beliebig fortführen all diesen Hunden ist gemeinsam, daß niemand versucht, ihr Fehlverhalten mit der Rasse zu erklären.

 Hunde sind in erster Linie Hunde. Nicht Vertreter ihrer Rasse. Sicher gibt es für spezielle Aufgaben Spezialisten. Aber das alltägliche Zusammenleben und sehr viele Fähigkeiten, die darüber hinausgehen, kann fast jeder Hund erlernen. Es gibt charakterliche Unterschiede zwischen den Rassen aber ebenso auch zwischen einzelnen Individuen einer Rasse. Deshalb kommt es vorrangig darauf an, den individuellen Zugang zum einzelnen Hund zu finden, nicht jedoch auf das Fixieren auf die Rassezugehörigkeit.

 Eine erfolgreiche Erziehung des Hundes basiert auf vier Säulen:

1.)   Eine enge Bindung zwischen Mensch und Hund. Ein Hund, dessen größtes Glück autonom und nicht aus der Interaktion mit dem Menschen erwächst, ist nur schwer zu motivieren und kann sich kaum auf den Hundeführer (HF) konzentrieren. Ein Hund, der nicht mit seinem Menschen spielt ist schwer verhaltensgestört oder fehlgeprägt und psychisch verkümmert.

2.)    Dominanz des Menschen. Man sollte auch außerhalb des Platzes klar wissen, wo der Weg lang geht und wer das Sagen hat, und dies gegenüber dem Hund auch durchsetzen. Der HF muß vermeiden, seinen Hund zu nachsichtig gegenüber zu treten (kein laissez-faire).

3.)   Konsequenz. Der Hund braucht ein verläßliches Regelwerk, das möglichst immer gilt. Durch Konsequenz wird die Dominanz gestärkt. Aus Bindung, Konsequenz und Dominanz erwächst Vertrauen. Vertrauen ist die Basis für jede Hundeausbildung.

4.)   Motivieren. Besteht eine enge Bindung Mensch-Hund, so will der Hund von sich aus dem Menschen gefallen. Umgekehrt weiß der Mensch, wie er den besten Zugang zu seinem Hund findet. Motivation ist wesentlich effektiver als Druck und sollte gerade auch bei den Molossern die Ausbildung prägen.

 Generell bedarf es einer großen Portion der Fähigkeit zur Selbstkritik, wenn die Arbeit mit dem Hund erfolgreich verlaufen soll. Letztendlich muß man jedoch selbst entscheiden, wie man dem eigenen Hund am besten gerecht wird. Dies gelingt aber nur, wenn man bereit ist, die Fehler zunächst bei sich zu suchen. Den Molossern mag vielleicht vereinzelt eine sehr stark ausgeprägte Neigung zur Unterordnung fehlen, gerade deshalb ist es um so wichtiger, daß der HF Fehler vermeidet. Ausreden wie „mein Hund ist Molosser, er kann das nicht lernen“ dienen nur dem Selbstbetrug.

Die Herausforderung an die Intelligenz und das Einfühlungsvermögen des HF ist es, den individuellen Zugang zu seinem Hund zu finden. Das Eingehen auf die individuellen Neigungen, Stärken und Schwächen des einzelnen Hundes ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

 Es gibt Menschen, die haben noch nie ein Hundebuch gelesen und kommen mit ihrem Vierbeiner prima zu recht. Dann gibt es andere, die kennen alle Methoden und Theorien kommen aber auf keinen grünen Zweig. Früher hat man versucht, über die Parforce-Dressur Hunde zu gewünschten Verhaltensweisen zu bringen. Selbst diese im wesentlichen auf Gewalt beruhende Methode kam nicht ohne Lob und positive Verstärkung aus. Ein Hund, der über Zwangsapport das Bringen gelernt hat, wird niemals so freudig und zuverlässig bringen wie ein Hund, bei dem im wesentlichen über den Beute- und Spieltrieb gearbeitet wurde. Man sieht es einem Hund förmlich an, wie er ausgebildet wurde. Wahre Spitzenleistungen bringt nur ein Hund, der mit Freude bei der Arbeit ist. Es hat aber schon immer gute HF gegeben, also wird die reine Parforce–Dressur von echten Könnern nie praktiziert worden sein. Entscheidend ist das Verstehen seines Hundes, nicht das Verständnis für seinen Hund. Gleichwertig durchaus aber nicht gleichberechtigt.

Heute predigt man gewaltfreie Erziehung. Die Augen werden verdreht, wenn nur die leiseste Andeutung zum Stachelhalsband kommt, ja selbst der Leinenruck ist verpönt. Statt dessen wird eine Art psychologischer Kriegsführung gegen den eigenen Hund empfohlen. Diese Menschen bleiben, wenn sie nicht eiserne Konsequenz und Disziplin beweisen, mit ihren Konzepten auf der Strecke. Es sind die gleichen irrealen paradiesischen Wunschvorstellungen, die die Probleme mit dem eigenen Hund erst evozieren. „Ach unser Bernhard ist so sensibel, der wirft sich immer hin, wenn wir ihn an die Leine nehmen und wenn es draußen regnet, dann können wir nicht in die Stadt fahren. Bernhard mag keinen Regen und ins Auto steigt er auch nur bei Sonnenschein und nicht an einem Montag. Da hat er sich nämlich mal vor zwei Jahren den Kopf gestoßen.“

M.E. sollte man die Dogmen aus dem eigenen Kopf verbannen. Der eine Hund hat in seinem ganzen Leben niemals ein Stachelhalsband benötigt, der andere zieht wie ein Ochse beim Pflügen und bekommt halt eins verpaßt. Es bringt einen Hund nicht um, wenn er nach Aufforderung das Sofa zu verlassen bei Nichtbefolgen auch gewaltsam herunter geschmissen wird. Er wird aber ganz sicher zu Problemen führen, derartiges Verhalten zu tolerieren. Natürlich kann man den großen Zampano spielen und über Motivation und liebe Worte versuchen, sein Ziel zu erreichen. In der Regel sind diese Bemühungen von zweifelhaftem Erfolg gekrönt und verdeutlichen eklatant, daß hier etwas in der Einstellung zum Hund nicht stimmt. Es ist genau diese Form der Hundehaltung die das Kind mit dem Bad ausschüttet. Motivieren und eine enge Bindung sind das A und O in der Hundeerziehung aber eben nur die eine Hälfte. Nur für seinen Hund ein quasi lebendes Spielzeug zu sein, ein lustiger stets verfügbarer Spielkamerad und Futterlieferant reicht nicht aus. Ein Hund kann fast alle Rechte haben, wenn die Führungsrolle geklärt ist. Er kann auch auf dem Sofa und im Bett schlafen. Man muß nicht psychologische Tricks und fein ausgesponnene Mechanismen gegen seinen Hund ins Feld führen. Man muß vor allem sich selbst darüber im klaren sein, wer das sagen hat. Dadurch wird auch die Bindung Halter-Hund gestärkt, und der Hund erhält einen viel größeren Freiraum, als ihm sonst geboten werden könnte. Das Leben mit dem Hund wird für alle Beteiligten einschließlich ihm selbst angenehmer. Man kann mit einem jagdlich geführten Dt. Jagdterrier in einer Großstadt leben und mit zwei Molossern wie dem Fila Brasileiro und dem Dogo Argentino, der zudem auch noch ein originärer Jagdhund ist, querfeldein marschieren ohne daß sich die frei laufenden Hunde verabschieden.

Es gibt zu viel schlecht oder gar nicht erzogener Hunde. Das Problem sind nicht wehrhafte Hunde, sondern die unzulänglichen Führungsqualitäten und Kenntnisse ihrer Halter. Ein Hund kann auch im Angriffsverhalten durch seinen HF kontrolliert und gestoppt werden, wenn die Rangfolge für beide Seiten geklärt ist.

Entschuldigungsversuche mit Verweis auf die Rassezugehörigkeit kommen einer Bankrotterklärung derselben gleich.

Prägung und Haltung von Hunden:

 Die in der vorangegangen Ausgabe angeführten Betrachtungen zur Grundlage der Erziehung von Molossern sollen hier durch die beiden genannten Aspekte auf eine breitere Basis gestellt werden.

 Hunde sind, wenn sie zur Welt kommen, ungeschliffene Rohdiamanten. Die ersten 16 –20 Lebenswochen sind von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung. Ein Hund der hier nicht umfangreich die Möglichkeit erhält ein positives Vertrauensverhältnis aufzubauen ist nahe zu irreversibel umweltuntauglich und damit im Extremfall auch nicht lebensfähig. Hier den gesamten Aspekt der Prägung, der Korrelation von Instinktgebundenheit und Umweltoffenheit und der einzelnen Prägungs-/ Entwicklungsphasen anzuführen erspare ich mir. Möchte aber allen Interessenten und jedem Züchter sowie potentiellen Welpenkäufer dringend die Bücher Heinz Weidt, Der Hund mit dem wir leben: Verhalten und Wesen, Hamburg/ Berlin 1993 & Heinz Weidt, Dina Berlowitz, Das Wesen des Hundes, Augsburg1998 empfehlen.

Außerdem möchte ich diese Gelegenheit ergreifen einmal den Anstoß zugeben, ob der CfM nicht eine Art Prägungskatalog erstellt, den jeder Wurf durchlaufen sollte und der gewisse Mindeststandards über die bisherige Zuchtordnung hinaus für die Aufzucht von Welpen festlegt.

Sind auch die ersten zwanzig Wochen entscheidend für die Entwicklung des Hundes, so ist dennoch das Lernen und damit die Veränderung der Verhaltensweisen des Hundes niemals vorbei. Die meisten Welpen werden zwischen der 8 und 12 Woche (Weidt empfiehlt die 10 Woche) abgegeben. Dies ist ein sensible Phase und der neue Hundehalter sollte sich seiner Verantwortung gegenüber seinem Hund aber auch seiner Umwelt deutlich bewußt werden.

Sicherste Garantie einen umfassend geprägten und umweltoffenen Hund zu erhalten ist es ihn überall am täglichen Leben teilhaben zu lassen. Der Alltag bringt so viele unbekannte Situationen mit sich, daß es nur sehr schwer möglich sein dürfte den Hund auch nur annähernd so umfassend gezielt ähnlichen Situationen auszusetzen, wenn die Teilnahme am Alltagsleben verwehrt bleibt. Ergo: der Hund gehört zu seinen Menschen und sollte möglichst überall dabei sein.

Daraus folgt auch, daß sich eine reine Zwingerhaltung verbietet. Verbot der Zwingerhaltung wäre auch ein wirklicher sinnvoller Ansatz die Gefahr durch gefährliche Hunde zu minimieren. Zeitweises Wegsperren in einer Zwinger ist tolerabel und bietet sogar gewisse Vorteile. Ein Hund ist in einem großen Zwinger mit Aussenbereich sicher besser untergebracht als in einer dunkeln Wohnung. Gerade Molosser lieben es zu ruhen und ihre Umwelt zu beobachten. Dafür bietet ein entsprechender Zwinger gute Möglichkeiten. Ein Zwinger kann auch bei großer Hektik, Gesellschaften etc. den Hund vor Reizüberflutung schützen. Aber hier ist schon wieder Vorsicht geboten, denn prinzipiell sollte der Hund so gut sozialisiert sein, daß es eines Wegsperren nicht bedarf. Und jede Reizminimierung stellt auch eine vertane Chance dar, den Hund umwelttauglich zu erziehen.

Das echte Zusammenleben mit dem Hund ist auch der einzige Weg für gegenseitiges Vertrauen. Wie soll ein Hund komplexe und unbekannte Situationen differenzieren, wenn er sie nicht kennt? Zeigen sie sich ihrem Hund mit einem Handtuch um den Kopf, hinken sie lassen sie sich zu Boden fallen, zeigen sie sich ihm unbekleidet, streiten sie sich vor ihrem Hund oder simulieren sie einen Streit. Klappern sie extra laut mit Töpfen und Pfannen usw. Alle die hier beispielhaft angeführten Situationen und viele mehr, ergeben sich im engen Zusammenleben mit dem Hund fast automatisch. Eines noch zur Zwingerhaltung, Nachts gehört der Hund ins Haus.

 Zu den Märchen der Kynologie gehören auch zahlreiche gutgemeinte Ratschläge: „Legen sie sich niemals unter ihren Hund“ –falsch! Legen Sie sich unter ihn, spielen Sie mit ihm auf allen Vieren, werden Sie selbst zum Hund. Das Band zwischen Halter und Hund sollte so stark sein, das es nicht an der Körperhaltung des Menschen hängt. Was passiert denn, wenn man einmal stürzt und der Hund kann diese Situation nicht deuten oder sieht sich in eine Lage versetzt, die er zu seinen Gunsten ausnutzt. Auch die Mutterhündin, der erziehende Rüde oder irgendein dominanter Hund legen sich im Spiel auf den Rücken und bieten ihre Kehle da. Warum soll das für den Menschen nicht möglich sein, wenn die Beziehung Mensch-Hund intakt ist. Kämpfen Sie mit ihrem Hund und lassen sie ihren Hund auch gewinnen. Ziehen sie ihn hoch im Spiel, versetzten Sie ihn in eine Reizlage und beenden Sie das Spiel wieder. Testen Sie ihren Hund aus. So erwächst vertrauen zwischen Hund und Halter. Nicht die peinliche Vermeidung allermöglichen Situationen kann der richtige Weg sein sondern ihre Beherrschung. Kann der Halter seinen Hund aus aufgeputschter Stimmung auch wieder zur Ruhe bringen kann er ihn auch in schwierigen Situationen beherrschen. Kontrolliertes Risiko ist das Schlagwort für die Prägung des Hundes. Nicht die Vermeidung die letztendlich sowie so nicht möglich ist aller Konflikte.

Ein weiteres Beispiel sind Apportierspiele. Einige Halter vertreten die Auffassung, ein Hund dürfe das Apportieren nicht erlernen; denn er verfolge ein Objekt (weggeworfener Stock), gewöhne sich so das Hetzen an und gleichzeitig durch Zupacken und Schütteln, das Jagen und Töten. Dabei bietet gerade das Apportierspiel große Möglichkeiten für die Hundeerziehung. Der Hund kann viele Triebe befriedigen, das Spiel funktioniert nur in Interaktion mit dem Halter. Apportiert der Hund nicht ist das Spiel zu Ende. Behält der Hund das Bringsel ist das Spiel auch zu Ende. Er lernt also spielerisch sich dem Halter unterzuordnen und seine „Beute“ abzugeben. Der Halter hat die zusätzliche Chance, Spannungskurven aufzubauen, zu halten und zu lösen. Der Hund abgelegt oder sitzend sieht das Bringsel fortfliegen, muß aber dennoch warten, bis er los geschickt wird. Dies allein stellt schon eine Erlösung für den Hund da und damit Belohnung. Der Gehorsam wird spielerisch ausgebaut, der Hund sicherer. Kann der Hund das Bringsel nicht mehr sehen, muß er seine Nase einsetzen um es zu finden. Das verlangt vom Hund hohe Konzentration und lastet ihn weiter aus.

Ein Hund der das Apportierspiel sicher beherrscht ist unter Garantie ein besser erzogener Begleiter als sein aus falschem Verständnis um diese Möglichkeit des Lernens betrogene Artgenosse. 

Einen weiteren Punkt zur Haltung und Prägung von Hunden möchte ich hier noch ansprechen.

Das Halten von mehren Hunden. M.E. sollte sowohl die Zwinger wie auch die Einzelhundhaltung unterbleiben. Hunde sind trotz aller Bindung an den Menschen auch auf innerartliche Kontakte angewiesen. Auch sogar bei Rudelhaltung ist der Kontakt zu weiteren Artgenossen wünschenswert. In den meisten Fällen wird dies aber nicht ausreichen. Mehrhundhaltung verbessert das Sozialverhalten des einzelnen Hundes. Mehrhundhaltung eröffnet auch dem Halter die Chance, viel über Hunde allein durch Beobachten zu lernen. Es müssen ja nicht gleich zwei Molosser sein. Auch der kleine Jack-Russelterrier ist eine prima Ergänzung zum großen Hund. Positiver Nebeneffekt ist das andere Hundehalter, die evtl. mit Ressentiments unseren Hundehaltern entgegentreten, diese schneller abbauen, wenn sie sehen, wie liebevoll der Molosser mit dem Kleinhund umgeht. Wichtiger aber ist das ein Hundeleben mit einem Artgenossen besser wird. In diesem Sinne ist es auch höchst fraglich, ob die zumeist auch noch höhere Besteuerung des Zweithundes nicht tierschutzrelevantes Gebaren beinhaltet.

Die Verantwortung für das Leben und die Entwicklung unserer Hunde liegt in unseren Händen.

Carl Cosack
(Anm. des Web-Authors: Herr Cosack ist im Club für Molosser e.V. verantwortlich für die Arbeitsgemeinschaft "Fila Brasileiro" und seine Artikel in der Zeitschrift "Unser Rassehund" zählen zu meinen Lieblingslektüren.)

"Belohnung" und "Strafe" in der Hundeausbildung und Hundetherapie

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Tierschutzbeauftragter des Deutschen Hundesportverbandes

1. Allgemeines über Belohnung und Strafe

1.1 Belohnung und Strafe beim Menschen im Alltag

Im Alltag belohnen wir ein Kind, wenn es ein erwünschtes, ein richtiges Verhalten zeigt. Einem Kellner, der uns höflich und zuvorkommend behandelt hat, geben wir ein großzügiges Trinkgeld. In einem allgemeineren Sinn ist auch jedes Lob, ja jede schlichte Bestätigung einer Handlung wie zum Beispiel ein freundliches "Danke" oder "Ja" eine "Belohnung". Belohnung, Lob und freundliche Bestätigung heben die Stimmung des Betroffenen. Er weiß darüber hinaus, was er in einer ähnlichen Situation tun kann, um wieder Belohnung etc. zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, daß er sein Verhalten wiederholt, wird hierdurch erhöht.

Im Alltag strafen wir ein Kind, wenn es ein unerwünschtes Verhalten zeigt, in der Hoffnung, daß es dies dadurch nicht wieder tut. Etwas schwächer aber mit der gleichen Absicht ausgesprochen ist das "Nein". Unter Erwachsenen muß man neben dem Einsatz körperlicher Gewalt auch das Einschüchtern etwa durch Gebrüll oder Drohungen zu den Methoden zählen, die Wiederholung des unerwünschten Verhaltens ausschließen sollen.

Belohnung und Strafe, Bestätigung und Mißbilligung sind aber in ihrer Wirkung völlig unterschiedlich. Eine Belohnung bzw. Bestätigung hebt die Stimmung. Darüber hinaus weiß der Handelnde nach der Bestätigung genau, was er bei ähnlichen Situationen wieder machen kann, er weiß, wie er sich verhalten kann. Bei Strafe oder Mißbilligung dagegen weiß er zwar, daß die mißbilligte Handlung falsch war, er weiß aber nicht was er statt dessen tun soll. Er wird unsicher.

1.2 "Erfolg" als Belohnung

Eine besondere Art von "Belohnung", die gar nicht von einem anderen gegeben werden muß, ist der Erfolg. Wollen der Mensch oder ein Säugetier ein Ziel erreichen, zum Beispiel Nahrung bekommen, so können sie dies oft auf verschiedene Weise versuchen. Mit irgendeiner Handlungsweise werden sie Erfolg haben. Diese Handlungsweise werden sie dann in Zukunft immer wieder anwenden, selbst wenn sie gelegentlich dabei keinen Erfolg haben. Der Erfolg selbst hat hier wie eine Belohnung gewirkt. Er hat die Wahrscheinlichkeit, daß das Verhalten in ähnlicher Situation wieder auftritt, erhöht.

Beispiel: durch Zerren an der Leine ist es dem Hund gelungen, an eine Stelle zu kommen, die er unbedingt beschnuppern wollte. Dieser Erfolg läßt ihn auch in Zukunft kräftig zerren – und tatsächlich hat er auch immer wieder mal Erfolg.

Bleibt jedoch bei einer Handlungsweise der Erfolg stets aus, so kommt sie mit der Zeit nicht mehr vor. Permanenter Mißerfolg führt zur Unterlassung eines Verhaltens.

1.3 Gefährdung als "Strafe"

Wir können uns durch eine Handlung auch ganz übel in Gefahr bringen. Wird sie uns bewußt oder erleben wir dabei Angst oder verletzen uns sogar, so werden wir die Handlung in Zukunft unterlassen. Auch dies gilt ähnlich bei Tieren. Wie der Erfolg als "Belohnung" wirkt, wirkt die Gefährdung wie eine "Strafe". Sie führt in der Regel zum Unterlassen des Verhaltens. Während der Erfolg allerdings ein Wohlgefühl erzeugt, ist die Gefährdung mit Angst und Fluchtverhalten verbunden. Darauf komme ich später noch einmal zurück.

1.4 "Belohnung" und "Strafe" beim Hund

Dem Hund ist die Fähigkeit angeboren, ein hohes Sozialverhalten auszubilden (im Gegensatz etwa zu Tigern. Auch bei Katzen ist diese Fähigkeit nur schwach vorhanden.). Bei gutem Umgang mit ihm akzeptiert er uns als sein "Leittier‘". Daher besteht für uns die Möglichkeit, ihn auf verschiedenste Art zu "belohnen", aber auch zu "strafen".

Dabei müssen wir allerdings vor dem Einsatz von "Strafe" unbedingt folgendes bedenken:

Durch "Strafe" wird der Hund wie der Mensch unsicher. Bestenfalls lernt er, welches Verhalten unerwünscht ist, nicht jedoch, welches statt dessen erwünscht ist. Außerdem erlebt er "Strafe" immer als Bedrohung oder Gefährdung seines Lebens, er bekommt Angst.

Im Zusammenleben von Hunden sind negative Interaktionen, d. h. "Strafen" nur 5 bis 7% aller Interaktionen (nach A. Hallgren) und davon ist wieder nur ein Bruchteil ein Abschnappen. Der Rest ist Knurren.

Wir sollten also "Strafen" immer erst dann einsetzen, wenn wir alle anderen Möglichkeiten, unerwünschte Verhaltensweisen zu unterbinden, wirklich ausgeschöpft haben.

2. Lernen

2.1 Einführung

Unter Lernen wollen wir jede Änderung des Verhaltens verstehen. Wir nehmen dabei an, daß die Verhaltensänderung eine Antwort auf eine bestimmte Umweltsituation ist, die dem Tier ein "angenehmeres" Leben beschert. Verminderung von Angst (z. B. durch Flucht) gehört hier dazu. Tiere (einschließlich Menschen) können auf ganz verschiedene Weisen lernen. "Belohnung" und "Strafe" spielen jedoch nur bei einer ganz bestimmten Form des Lernens eine Rolle, beim Lernen durch Verstärkung (instrumentelles Lernen).

2.2 Lernen durch positive Verstärkung ("Belohnen")

Beim Lernen durch Belohnung spielen vier Dinge eine entscheidende Rolle:

  1. Der Hund muß ein bestimmtes Ziel erreichen wollen, er muß motiviert sein. Ein voll gefutterter Hund will ruhen, er ist zum Liegen motiviert – eine hervorragende Situation, um ihm "Platz" beizubringen. Eines will er nicht: Fressen. Leckerli sind also unangebracht.
  2. Es muß einen Auslösereiz für eine Handlung geben, d. h. der Hund muß etwas ganz Konkretes hören, sehen, riechen, kurz: wahrnehmen, damit er anfängt zu handeln. Ein hungriger Hund sieht zum Beispiel einen Futterbrocken. Jetzt beginnt er zu handeln. Der Futterbrocken ist der Auslösereiz.
  3. Der Hund wählt eine Handlung aus, man sagt: er zeigt eine Antwort auf den Auslösereiz.
  4. Schließt sich direkt an die Handlung eine "Belohnung" an, zum Beispiel der Erfolg, und wird das Ganze vielleicht noch mehrfach in der gleichen Weise wiederholt, so wird der Hund auf den Auslösereiz hin (fast) immer diese Handlung (diese Antwort) zeigen. Das Antwortverhalten ist gelernt.

Beispiel: Sich setzen

Der Hund ist hungrig. Wir zeigen ihm ein Leckerli über seinem Kopf. Der Hund springt hoch, um es zu bekommen. Das ignorieren wir (kein "Nein"!). Der Hund probiert alles mögliche. Alles ignorieren wir. Irgendwann wird er sich auch setzen. Dies Verhalten wird sofort durch Gabe des Leckerlis belohnt. Der Hund hat erlebt: "Sich setzen führt zum Erfolg". Wiederholen wir das Experiment mit der gleichen Leckerlidarbietung über seinem Kopf ein paar Mal, wird er sich in Zukunft wahrscheinlich sofort bei dessen Anblick setzen.

Ersatzauslöser:

Das wichtigste Gesetz des Lernensdurch Belohnung ist nun, daß der Auslösereiz umgelernt werden kann. Hat der Hund ein Verhalten auf einen Auslösereiz gelernt (zum Beispiel das Hinsetzen beim Zeigen des Leckerlis), wiederholen wir das Experiment ein paar Mal, indem wir gleichzeitig mit dem Auslösereiz einen neuen Reiz geben, im Beispiel oben etwa das Hörzeichen "Sitz". Das Erstaunliche ist, daß der Hund nach mehrfacher Wiederholung dieses Experiments auch dann schon die Handlung zeigt, wenn wir nur den neuen Reiz bieten. Er ist zum Ersatzauslöser geworden. Wir brauchen dazu Zeit und Geduld – aber nie "Strafe". Das wäre völlig unsinnig und würde dazu führen, daß der Hund den ganzen Lernvorgang meidet (verweigert).

Wir fassen noch einmal zusammen: durch mehrfache Wiederholung der Übung, bei der gleichzeitig mit dem Auslösen der Ersatzreiz gegeben wird, erreicht man, daß der Ersatzreiz allein bereits das Verhalten auslöst.

Beispiele:

  1. "Sitz" (Sichtzeichen): wir zeigen nicht nur das Leckerli, sondern führen dabei die Hand mit ihm von unserer Gürtelhöhe rasch bis in Schulterhöhe und zwar mit den Fingern nach oben. Auslösereiz ist das Leckerli, Ersatzreiz unsere Handbewegung. Wiederholen wir die Übung ein paar Mal, wobei wir die "richtige" Antwort, das Sich setzen, belohnen, wird der Hund sich auch schon auf unsere Handbewegung allein setzen, ohne daß in der Hand das Leckerli ist (Belohnen müssen wir immer noch, s. Abschnitt 3).
  2. "Sitz" (Hörzeichen): Gleichzeitig mit dem Zeigen des Leckerlis sagen wir freundlich "Sitz". Auslösereiz ist wieder das Leckerli, Ersatzreiz das Hörzeichen "Sitz". Wiederholen wir die Übung ein paar Mal, wobei wir wieder das Sich setzen belohnen, wird der Hund sich allein beim Wort "Sitz" setzen.
  3. "Sitz-Bleib": Wir spielen mit dem Hund mit einem Zottel (Motivation herstellen). Wir werden etwas ruhiger, lassen den Hund (durch regungsloses Stehen) den Zottel ausgeben, sagen "Sitz-Bleib". Auf "Sitz" setzt sich der Hund. Der Auslösereiz ist der Zottel. Wir gehen drei Schritte rückwärts weg vom Hund (und helfen durch Handzeichen, daß er bleibt). Nach (anfangs sehr) kurzer Zeit setzen wir das Spiel mit dem Zottel fort, wenn der Hund geblieben ist. Der Ersatzreiz ist das Hörzeichen "Sitz-Bleib", die Belohnung ist hier die Fortsetzung des Spiels.

1. Art der Belohnung:

Die Art der Belohnung hängt von der Motivationslage des Hundes ab. Wir können aus allen möglichen Bereichen Belohnungen bieten. Die bei unserem Hund erfolgreichsten benutzen wir dann weiter. Typische Beispiele sind Leckerli (Nahrungsverhalten), Streicheln (Sozialverhalten), Beutespiel (Jagdverhalten), Loben (Sozialverhalten), erlaubtes Beschnüffeln eines Grasbüschels (Erkundungsverhalten), usw.

Wichtig ist, daß wir dem Hund auch eine Ersatzbelohnung beibringen können, zum Beispiel ein bestimmtes Geräusch (Schnalzen mit der Zunge). Hierauf beruht das Klicker-Training, mit dem ursprünglich Delphine trainiert wurden.

Ganz ähnlich wirkt das Wort "brav" oder "fein". Freundliche Zuwendung des Besitzers zu seinem Hund wie das freundliche Aussprechen von "fein" etwa ist sowieso schon eine Form der Belohnung, für die der Hund fast immer empfänglich ist. Man kann dies nun noch steigern, indem man eine Zeit lang gleichzeitig "fein" sagt und ein Leckerli gibt oder den Hund kurz streichelt oder krault. Damit wird die freundliche Zuwendung, die im Wort "fein" schon liegt, noch einmal verstärkt. Das Wort "fein" wird damit eine in vielen Fällen ausreichende Belohnung. In sehr unregelmäßigen Abständen sollte es mit Leckerli oder Streicheln gleichzeitig wieder als Belohnung gegeben werden.

3. Lern- und Kann-Phase und die Häufigkeit von Belohnung

Im Abschnitt 2 haben wir behandelt, wie wir dem Hund ein gewünschtes Verhalten beibringen können. Solange der Hund das Verhalten nicht sicher beherrscht, müssen wir jedesmal belohnen, wenn er es richtig zeigt. Diese Phase ist die Lernphase.

Beherrscht der Hund das Verhalten sicher auf den Ersatzreiz hin (Hörzeichen oder Sichtzeichen), befindet er sich also in der Kann-Phase, belohnen wir unregelmäßig. Wenn wir dabei eine lange Zeit nicht belohnt haben, belohnen wir plötzlich besonders schön ("Jackpot-Leckerli", also ein besonders schmackhaftes Leckerli, Spielen mit Lieblingsspielzeug oder ausführliches Schmusen). Keine andere Art der Belohnung in der Kann-Phase ist so gut wie die beschriebene. Insbesondere ist die weit verbreitete Ansicht, es brauche gar keine Belohnung, der Hund muß auch so folgen, absoluter Unsinn. Im Gegenteil, konsequente Unterlassung von Belohnung führt zum Verschwinden des Verhaltens, was wir uns beim Abgewöhnen unerwünschten Verhaltens zu Nutze machen können (s.u.).

4. Lernen komplizierter Aufgaben

Zur guten Hundeausbildung gehören nicht nur "Sitz", "Platz" und "Komm", sondern auch längeres Fußgehen und Apportieren mehrerer Gegenstände, Agility, Fährten und vieles mehr. Solche Aufgaben fordern den Hund und führen zu einem immer engeren Verhältnis zwischen Mensch und Hund. Der Hund hat damit ein erlebnisreiches, erfülltes Leben.

Ein Lernprinzip dabei ist, die komplizierte Aufgabe in lauter kleine Teilaufgaben zu zerlegen. Diese Teilaufgaben werden nach dem Prinzip des Lernens durch Belohnen zunächst jede für sich geübt, bis sie sicher gekonnt werden. Dann fügt man sie nach und nach zusammen, anfangs indem man jede richtig gelöste Teilaufgabe belohnt, dann belohnt man nur noch, wenn zwei aufeinander folgende Aufgaben von allein hintereinander ausgeführt werden usw. Wie dies im Einzelnen zu geschehen hat, hängt vom einzelnen Hund und von der Aufgabe ab.

Beispiel: Apportieren mehrerer Gegenstände: Wir bringen dem Hund erst bei, seinen Zottel zu bringen (sagen dabei "Bring Zottel"), danach seinen Ball ("Bring Ball"). Die zusammengesetzte Übung ist Bringen von Zottel mit Hörzeichen "Zottel" und Ball mit Hörzeichen "Ball" hintereinander, wenn beide Gegenstände ausgelegt sind.

Auch hier gilt: In der Lernphase immer das richtige Verhalten belohnen, in der Kann-Phase unregelmäßig.

5. Andere Formen des Lernens

Wir haben gesehen, daß das Lernen mit der Belohnung des gewünschten Verhaltens die Basis einer guten Hundeausbildung ist. Wir brauchen aber nicht alles auf diese Weise beizubringen. Der Hund lernt u.a. auch auf folgende Weisen:

Lernen durch Verallgemeinerung: Der Hund kann gut gelernte Verhaltensweisen auf andere Situationen übertragen. Bringen wir ihm z.B. bei, weder beim Besuch des Postboten noch des Milchmannes zu bellen, wird er höchstwahrscheinlich auch beim Besuch des Hausarztes nicht bellen. Oder hat der Hund gelernt, durch einen Bach zu gehen, wird er höchstwahrscheinlich auch durch einen Fluß schwimmen.

Lernen durch Gewohnheit: Führen wir in sich wiederholenden Situationen mit dem Hund immer die gleiche Aktion durch, so wird er sie auch von sich aus ohne jedes Hör- oder Sichtzeichen durchführen.

Beispiele:

  1. Bevor wir dem Hund Futter geben, lassen wir ihn in einiger Entfernung vom Freßplatz "Sitz-Bleib" machen. Nach wenigen Tagen oder zwei Wochen wird sich der Hund von sich aus auf den eingeübten Platz setzen und warten.
  2. Bevor wir den Hund aus dem Auto springen lassen, lassen wir ihn im Auto "Sitz" machen und leinen ihn an. Wird das mit absoluter Regelmäßigkeit immer getan, so setzt sich der Hund vor Verlassen des Autos von sich aus hin und läßt sich anleinen.

Lernen durch Nachahmung: Ein junger Schäferhund lernt vom älteren durch Nachahmung das Bewachen der Herde. Ein junger Hund, der in einer Familie zu einem älteren genommen wird, lernt dessen Unarten durch Nachahmung (jagen, Mäusebuddeln).

6. Strafe

Wir setzen Strafe ein, um ein unerwünschtes Verhalten möglichst ein für alle Mal zu unterbinden. Strafe ist leider die am häufigsten falsch angewendete Methode in der Hundeerziehung. Das erklärt sich dadurch, daß sie den Besitzer so sehr befriedigt, nicht aber durch ihrem tatsächlichen Erfolg.

Beispiel:

Der Besitzer ist wütend oder ungehalten, wenn der Hund in seiner Abwesenheit auf dem Teppich uriniert oder einen Vorhang heruntergerissen hat und schnauzt den Hund bei seiner Rückkehr entsprechend an. Der Hund zeigt Unterwerfungsverhalten oder verkriecht sich in eine Ecke und der Besitzer ist aus 2 Gründen zufrieden: erstens hat er seine Wut herausgelassen und zweitens zeigt der Hund ja auch sein "schlechtes Gewissen". Dabei zeigt der Hund nur Unsicherheit bzw. Fluchtverhalten.

Manchmal zeigt auch Strafe einen Erfolg. Aber man muß immer folgende möglichen Nebenwirkungen beachten:

  1. Genau wie die Belohnung sofort nach dem gewünschten Verhalten muß die Strafe sofort nach dem unerwünschten Verhalten kommen. Sonst lernt der Hund nichts über das Verhalten, sondern Angst vor seinem Besitzer.

Beispiel:

Der Hund jagt plötzlich. Kein Rufen hilft. Nach 5 Minuten kommt der Hund freudig zurück und wird fürs Jagen hart bestraft (Leinenschläge). Der Hund lernt, Kommen ist schlecht, und wird in Zukunft Abstand halten.

  1. Aber selbst wenn die Strafe auf "frischer Tat" erfolgt, weiß man nicht, was der Hund lernt (s. Teil 1).

Beispiel:

Ein Besitzer beobachtet, daß sein Hund auf dem Teppich uriniert, packt ihn, stößt seine Schnauze in die Pfütze und bringt ihn anschließend in den Garten. Der Hund macht dort nichts. Wieder im Haus, geht der Hund das nächste Mal, als er muß, in ein Zimmer, in dem Herrchen gerade nicht ist und macht dort sein Geschäft. Er hat durch die Strafe nicht gelernt, im Haus ist urinieren verboten, sondern: in Anwesenheit des Besitzers ist urinieren verboten.

  1. Der Hund gewöhnt sich manchmal an die Strafe, d.h. sie verliert ihre Angst bzw. Schmerz auslösende Wirkung. Denken Sie an den vielfach propagierten Leinenruck. Manche Hundebesitzer rucken das ganze Hundeleben an der Leine, schwören aber auf den Erfolg dieser Maßnahme.
  2. Genauso kann aber bei anderen Hunden eine Verallgemeinerung eintreten, insbesondere bei harter Strafe: der Hund wird dann insgesamt ängstlicher und unsicherer.
  3. Schließlich kann Strafe auch die Aggression erhöhen. Plötzlich beißt der Hund den Besitzer oder Familienangehörige.

Natürlich kann Strafe auch Erfolg haben. Ein gut dosiertes "Nein" oder "Aus" hilft insbesondere bei unerwünschten Handlungen, für die der Hund noch nicht voll motiviert ist, z. B. wenn er gerade weglaufen will, aber noch nicht richtig gestartet ist.

"Strafen", also negative Reize, wirken zunächst einmal durch ihre Schreckwirkung. Diese erlebt der Hund als Gefährdung (s. unter 1.3) und veranlaßt ihn, sein Verhalten zu unterbrechen. Der Hund ist jetzt verwirrt und unsicher. Deshalb sollte sofort nach einem erfolgreichen "Nein" oder einer erfolgreichen anderen Strafe eine Aufforderung zu einem erwünschten Verhalten kommen, das der Hund sicher kann und für das er oft belohnt wurde, also z.B. "Sitz" oder "Platz". Dann muß für diese Handlung belohnt werden.

7. Hundeerziehung und Hundetherapie

Die Hundeerziehung besteht nicht nur in der Ausbildung, sondern auch darin, unerwünschte Verhaltensweisen dauerhaft zu unterbinden. Da der Erfolg von Strafe zweifelhaft ist und Strafe ohnehin mit anschließendem positivem Verhalten gekoppelt sein sollte, muß man zum Abgewöhnen von solchem Verhalten andere Schritte unternehmen.

Im allgemeinen setzt sich unerwünschtes Verhalten aus drei Teilen zusammen: einem angeborenen, einem in der sensiblen Phase (5. Bis 12. Woche) gelernten und einem später gelernten. Zum Beispiel ist ein starker Jagdtrieb zu einem großen Teil angeboren, zum Teil aber auch gelernt, evtl. durch Erfolg (s. Abschnitt 1.2), zum Beispiel wenn der Hund tatsächlich mal einen Hasen erwischt hat.

Den angeborenen Teil kann man nur "zügeln", nie vollständig abtrainieren. Das Abtrainieren des früh gelernten Anteils des unerwünschten Verhaltens ist langwierig, das Abtrainieren des spät gelernten Teils jedoch relativ einfach.

Wir geben zwei einfachere Beispiele für unerwünschtes Verhalten.

1. Betteln am Tisch: Dies Verhalten ist mit ziemlicher Sicherheit gelernt und zwar wahrscheinlich in der sensiblen Phase, als der süße kleine Welpe in der 9. Woche gerade ins Haus kam. Es ist ein Lernen durch Erfolg und zwar wie viele Unarten eine Hundes ein vom Besitzer nicht gewolltes Lernen. Was macht man nun üblicherweise?

  1. Man schimpft den Hund und schickt ihn ins Körbchen. Während man ißt, ist der Hund unbeschäftigt. Für manche Hunde kann "Schimpfen" schon eine Belohnung sein, insbesondere, wenn es nicht zu stark ist und man sich sonst nicht genügend um den Hund kümmert. Also steht der Hund alsbald wieder vom Körbchen auf und kommt an den Tisch. Erneutes Schimpfen etc. ist jetzt ein Erfolg, der Hund ist unterhalten. Er hat gelernt, es ist gut, zum Tisch zu kommen.
  2. Die Familie ist uneins. Eines der Kinder möchte doch so gern und läßt schließlich heimlich etwas fallen. Und wenn dies nur alle paar Wochen passiert: wir wissen, daß unregelmäßige Belohnung das Verhalten am besten aufrecht erhält (siehe Abschnitt 3, Kannphase). Der Hund wird also weiter betteln.

Hier hilft am schnellsten absolutes Fütterungsverbot und Ignorieren des Hundes am Tisch. Nicht einmal zu ihm hinschauen sollte man (Verlernen durch "Misserfolg").

2. Jogger jagen: Ist ein starker Jagdtrieb angeboren, so hilft in erster Linie, die Begegnung mit Joggern zu vermeiden. Darüber hinaus bieten sich in diesen wie ähnlichen Fällen die folgenden zwei Schritte an:

  1. Desensibilisierung (Unempfindlich machen gegenüber dem Auslösereiz Jogger): Zunächst bringt man den Hund in eine Situation, in der ein Jogger relativ weit entfernt vom Hund rennt. Der Reiz ist jetzt schwach. Man bringt den Hund zum Liegen ("Platz") und kann ihn mühelos mit Leckerli oder Streicheln (Tellington-Touch o.ä. Beruhigendes) ruhig halten. Ist der Jogger ganz fort und blieb der Hund ruhig, belohnt man ihn. Man wiederholt diese Übung und achtet darauf, daß die Distanz zum Jogger bei jeder Übung kürzer ist. Wird der Hund unruhig, übt man wieder mit größerer Distanz. Diese Methode wird in unseren Kursen angewendet.
  2. Ersatzhandlung: Der Auslösereiz "Jogger" veranlaßt den Hund zu jagen. Durch die Desensibilisierung lernt der Hund, sich beim Anblick des Joggers zu legen. Dies baut man zu "Platz – Bleib" aus. Beide Schritte zusammen führen zum Erfolg. Es kann sogar passieren, daß der Hund sich in Zukunft beim Anblick eines Joggers von sich aus hinlegt, ohne daß der Besitzer "Platz - Bleib" ruft, und dies sogar bei einiger Entfernung vom Besitzer. Man kann dies durch Lernen durch Gewöhnung oder Bilden eines Ersatzauslösers (= Jogger) erklären.

Diese beiden Schritte: Desensibilisierung und Ersatzhandlung sind auch die Basis der Behandlung einer ganzen Reihe anderer unerwünschter Verhaltensweisen wie verschiedener Formen der Aggression (Beute-Aggression, Angst-induzierte Aggression).

Zusammenfassung

Ich hoffe, ich konnte in diesem Aufsatz vier Dinge zeigen:

  • Belohnung ist die Basis sowohl der Hundeausbildung als auch von Teilen der Hundetherapie
  • Eine erlernte Unart kann man am schnellsten abgewöhnen, indem man herausbekommt, welches die Belohnung (Erfolg) war, durch die die Unart verstärkt wurde, und diese Belohnung konsequent verhindert.
  • Tiefergehende, das Zusammenleben erschwerende Verhaltensweisen bedürfen vor der Therapie einer eingehenden Analyse. Aber auch bei der Therapie spielt Lernen durch Belohnung eine entscheidende Rolle.
  • "Strafe" hat dort ihren Platz, wo ein Gefahr bringendes Verhalten sofort unterbrochen werden muß. Für das dauerhafte Auslöschen unerwünschter Verhaltensweisen ist "Strafe" in fast allen Fällen der falsche Weg.

Literatur: Valery O'Farrell: Manual of Canine Behaviour, Oxford 2nd ed. 1992